Software zur Unterstützung beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten einsetzen (Rezension)

Wenn EineR eine Arbeit schreibt … kommt es natürlich auf den Inhalt an! Zuvorderst auf den Inhalt! Doch der entsteht nun einmal nicht einfach so und im Falle von akademischen Arbeiten schon gar nicht linear!

Sehr viel Planung und noch mehr Überarbeitung fließen in diese Werke, mit ein wenig Software-Unterstützung soll das alles viel einfacher laufen. Doch einfach ist eben auch nur ein Wort – auch Software will gut gewählt und ihre Verwendung gründlich geplant sein!

Andrea Kleins neues Buch beginnt sehr charmant mit Ermutigungen (Kapitel 1) zum wissenschaftlichen Schreiben und will sich auch ausdrücklich als ermutigender Ratgeber verstanden wissen. Das ist sehr gut gelungen und kommt auf Augenhöhe daher! Es erfordert besonders von Studierenden viel Mut sich in das Abenteuer „Abschlussarbeit“ zu stürzen: Viele Formalia sind verwirrend, die Texte schwer zu begreifen, alles in eine eigene Form bringen und argumentieren … wirklich harte Arbeit! Auch für Erfahrende stellt dieser Prozess immer wieder eine Herausforderung aber auch eine Überwindung dar.

 

http://www.wissenschaftliches-arbeiten-lehren.de/wp-content/uploads/2017/03/9783958453869.jpg(Abb.: Cover des rezensierten Buches; (c) mitp-Verlag)

Aufbau des vorgestellten Buches

Wissenschaftliche Arbeiten schreiben. Praktischer Leitfaden mit über 100 Software-Tipps“ (LINK) richtet sich an unerfahrene und erfahrende Schreibende gleichermaßen. Wie in den meisten Gebieten des Lebens kann man nicht auslernen und so findet sich auch für das wissenschaftliche Schreiben für die zweite Gruppe mehr als genügend Informationen, die trotz Erfahrungen in diesem Bereich noch nicht bekannt waren bzw. Software, die noch nicht selbst ausprobiert wurde. Autorin Andrea Klein gelingt dieser Spagat mühelos, schließlich hat sie jahrelange Erfahrungen mit Studierenden aller Art und Lehrenden (denen sie in ihrem Blog LINK regelmäßig tolle Tipps zur Hochschullehre gibt).

Das Buch ist in 3 Großkapitel gegliedert: orientieren und planen (I), sammeln und strukturieren (II) sowie schreiben und überarbeiten (III). Besonders dem ersten Teil (orientieren) wird an Hochschulen meiner Erfahrungen nach oft zu wenig Zeit eingeräumt: Alle müssen alles schnell behirnen, schnell planen, schnell durchführen, schnell zum nächsten Projekt hetzen. „Publish or perish“ läßt wohl leider früh grüßen! Schnelligkeit zu Beginn ist allerdings für das wissenschaftliche Arbeiten enrom gefährlich, all zu leicht kann man sich gehörig verzetteln und muss danach zum Beheben und neu Orientieren erst recht wieder viel (mehr) wertvolle Zeit vertun!

Großkapitel I) beginnt wiederum mit einem sehr ermutigenden Abschnitt (Kapitel 2 Selbststeuerung), der Tipps und Ideen für langanhaltende Motivation alleine und für Gruppenarbeiten liefert. Damit – sich zusammen zu nehmen und konsequent und voll Neugierde immer wieder an die Arbeit zu setzen – steht und fällt schließlich die gesamte Arbeit! Daneben gibt es zahlreiche Tipps für gute Zeitplanung (Kapitel 3) und Schreibplanung (Kapitel 4) startet sofort mit den wichtigsten Tipps zum Schreiben mit Software und einer Checkliste mit Entscheidungskriterien (siehe unten).

Klar, Zeit- und Projektplanung sind per se zwar nichts Neues und einige der Tipps Erfahrenderen wohl schon bekannt. Dennoch findet sich in diesem Ratgeber immer und immer wieder sehr gut aufbereitet Details zu unterstützender Software für Zeit- und Projektmanagement, die selbst mir (die ich diese Themen für Studierende immer wieder selbst vortrage!) noch nicht bekannt sind bzw. die ich noch nie ausprobiert habe.

Zum Beispiel versuche ich mich seit Jahren mit Trello anzufreunden, da ich die dahinter liegende Organisationsidee des Kanban gut finde. Einzig, das konkrete Tool hat mich nie so wirklich begeistert. Nun kenne ich nach Lektüre des Ratgebers gleich 10(!) Alternativen, die ich stattdessen testen könnte, inklusive Vor- und Nachteile (Überblick in Tabelle 3.2, S. 62). Das ist wirklich reichlich Input auf knappster Seitenzahl!

Kapitel 5 widmet sich inhaltlichen Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit, wie der Dialoghaftigkeit der Wissenschaften, akademischer Redlichkeit, Grundbegriffe der Wissenschaftstheorie, und Kapitel 6 beschäfigt sich mit dem inhaltlichen Einstieg in die Arbeit, besonders der Themeneingrenzung und Anforderungen an eine gute Fragestellung – zwei weitere wichtige Knackpunkte auf dem Weg zu einer fertigen wissenschaftlichen Arbeit.

Das zweite Großkapitel (II) zu sammeln und strukturieren von Literatur und Informationen dient als zentrale Drehscheibe für alle Informationen rund um Literaturverwaltung, -recherche und -auswertung (Kapitel 7 & 8) erfüllt. Als gelungen Zusatz dazu widmet sich Klein sofort auch diversen Lese- und Exzerpier- bzw. Notizentechniken (Kapitel 9), bevor gängige empirische Methoden (Kapitel 10) und wichtige Elemente der Gliederung einer wissenschaftlichen Arbeit (Kapitel 11) besprochen werden.

Im finalen Großkapitel III) schreiben und überarbeiten gibt es Tipps zu Schreibtechniken und Textverarbeitungsprogrammen (Kapitel 12) und Schreibtypen und Methodensammlung für das Schreiben werden im Kapitzel Schreibprozess (Kapitel 13) beschrieben. Anschließend wird sich den Merkmalen eines überzeugenden Textes und aussagekräftiger Abbildungen gewidmet (Kapitel 14). Die abschließenden Kapitel des Buches widmen sich dann noch zwei weiteren essentiellen Anteilen an der Entstehung einer wissenschaftlichen Arbeit: dem Zitieren (Kapitel 15), inklusive Erläuterungen zu Zitierfähigkeit und Zitierwürdigkeit, und dem Überarbeiten (Kapitel 16).

Kapitel 17 ist ein Gustostück – auf nicht einmal einer ganzen Seite ruft die Autorin nach getaner Arbeit und Abschluss eines Textes zur Reflexion auf! Sehr gut – nur so kann man sich effizient weiterentwickeln und neue Texte besser und rascher erstellen!

Beste Tipps für alle!

Um sich als AnfängerIn bzw. Fortgeschrittene schneller die jeweils geeigneten Rosinen aus dem Kuchen picken zu können, gibt es im Text regelmäßig Infokästchen mit entsprechender Beschriftung. Weiters zeigen Kästchen auch zusätzliche Tipps bzw. warnen vor möglichen Fallstricken und Mißkonzeptionen.

Großartig ist die große Checkliste der Kriterien für oder gegen Software-Einsatz beim wissenschaftlichen Arbeiten (Tab. 4.1, S. 90f.), die Sie sich auch downloaden (auf dieser Seite auf den großen blauen Button rechts unten klicken) können.

Weiter geht es im Anhang (S. 314-322): Auf den letzten Seiten des Ratgebers finden Sie sehr zahlreiche Checklisten und Überblicksdarstellungen zu allen Themen des Buches übersichtlich zusammengefasst.

Das Besondere daran

Die Augenhöhe zwischen Autorin und Lesenden ist herausragend: Nichts wird einem als unumgänglich eingeredet, es gibt keine „Software-Propaganda“ mit absolut notwendigem, state-of-the-art-Gelobpreise oder dergleichen. Stattdessen schön klare Ansagen, was man sich jeweils überlegen sollte, WENN man sich mit dem Gedanken spielt sich zu professionalisieren. Genau so stelle ich mir das vor!

Zitat Klein: „Die wichtigste Software im wissenschaftlichen Arbeitsprozess befindet sich in Ihrem Gehirn.

Mein persönliches Fazit

Seit ich das Buch vor einigen Wochen zur Ansicht erhalten habe, habe ich es bereits mehrmals selbst als Nachschlagewerk benutzt: Einmal suchte ich nach Alternativen für Dropbox, ein anderes Mal nach einem guten Online-Umfragetool. Wieso das alles nicht einfach auf Google suchen!? Das hat gute Gründe!

Sehr gut an Kleins Ratgeber gefällt mir neben dem konkreten Schreibstil und der angenehmen Ansprache die knappe und doch sehr aussagekräftige Beschreibung von Software: Hier wird großes Augenmerk auf Vor- und Nachteile sowie wirkliche Alternativen zu „Big Playern“ abseits der „ausgetreten Software-Pfade“ gelegt. Sofern angezeigt, gibt es auch Hinweise für TeamarbeiterInnen und für/ gegen Datenschutzbedenken. Das ist mir in dieser Übersichtlichkeit bisher noch nicht bekannt gewesen!

Online-Bewertungen liegen im Trend, auch ich nutze sie oft, doch das (auf wissenschaftliches Arbeiten) fokussierte Auge und die Erfahrungen einer Fachperson geben eben doch mehr nützliche (und unbeeinflusste!) Informationen weiter, als anonyme UserInnen oder BloggerInnen mit möglichen kommerziellen Eigeninteressen das könnten. Ich verlasse mich, wenn vorhanden, lieber auf Fachpersonen!

Als persönliche Herausforderungen fühle ich mich sehr inspiriert mir das Such-Tool „Eyeplorer“ (S. 108) und die Argumentationstechnik „Themenwürfel“ (S. 117) genauer zu Gemüte führen. Auch für die bislang mir noch völlig unbekannte wissenschaftliche Suchmaschine „CiteSeerX“ (S. 153) wird ein Testballon gestartet werden. Ach, und mit allen 10 Fingern zu tippen, wünsche ich mir – nach 3x lernen und wieder vergessen – nun endlich einmal zu beherrschen (S. 229f.)! Wird dann die Sommeraufgabe des Jahres 2017! 😉

Waschzettel

Wissenschaftliche Arbeiten schreiben. Praktischer Leitfaden mit über 100 Software-Tipps“

Andrea Klein

mitp Verlag

1. Auflage

2017

ISBN 978-3-95845-386-9

Website zum Buch: http://effizient-schreiben.de/

Ich danke dem Verlag herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.
Meine hier vorgestellte Meinung zum Werk ist davon völlig unbeeinflußt!

 

 

Artikel von Natascha Miljković, 13. Juni 2017

© aller Texte: Dr. in Natascha Miljković, Agentur Zitier-Weise, 2012-2017.
© Abbildungen: wie angegeben.

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About Dr. Natascha Miljkovic

Inhaberin der Firma Zitier-Weise, Agentur für Plagiatprävention. Naturwissenschafterin mit viel Auslandsforschungserfahrung, Wissenschaftsberaterin und präventive Plagiatsprüferin. Berät Bildungseinrichtungen zum Themenkreis akademische Unredlichkeit und unterrichtet, wie man diese (z. B. Plagiate) nachhaltig vermeiden kann. Auch an allen anderen Themen in, um und durch Forschung und Bildungseinrichtungen interessiert.
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