Das habe ich doch gar nicht verwendet! – Plagiatssoftware im Selbstversuch

Eine aufgebrachte Kundin am Telefon: „Bitte überprüfen SIE meine Masterthese! Ich habe es selbst versucht, aber ich kenne mich nicht aus damit. Was da alles an Artikeln angezeigt wird, das habe ich doch gar nicht verwendet!“   Die Anzeigen in Textvergleichsprogrammen, vulgo Plagiatssoftware, können wirklich ganz schön verwirren! Je nach Hersteller sind die Prüfberichte, die im Anschluss an die maschinelle Bearbeitung ausgestellt werden, oftmals sehr umfangreich: Listen über Listen möglicher (sic!) Quellen werden angeführt. Nach mehr als sechs Jahren Berufserfahrung weiss ich: auf den ersten Blick offenbart sich die jeweilige Relevanz der einzelnen Fundstellen nicht! Sich durch die Anzeigen durch zu wühlen erfordert viel Zeit, es zahlt sich allerdings sehr aus wirklich genau zu schauen. Das meiste ist nicht plagiatsrelevant aber tatsächlich Relevantes kann sich leicht unter den großen Informationsmengen „verstecken“. (Abb.: “What?” von User Formication @ Flickr)   Wie kommt es zu so vielen Anzeigen? Gefunden wird meist alles, was mehr als drei bis fünf Worte lang ist. Und mit „alles“ ist hier wirklich alles gemeint, natürlich auch eine Vielzahl an allgemeinen Phrasen. Einige tatsächliche Beispiele aus meiner Prüfpraxis sind: im Bezug auf in den nächsten 5/ 10 Jahren wird/ werden unter besonderer Berücksichtigung kann davon ausgegangen werden, dass … eine Vielzahl von der Einfluss von in erster Linie spielte eine bedeutende Rolle bei zu Beginn des … Jh. stellt sich die Frage, ob, … aus diesem Grund Diese und sehr viele andere allgemeine Formulierungen sind ein völlig normaler Bestandteil der Sprache, von Beschreibungen und des wissenschaftlichen Argumentationsaufbaus. Sie… Lesen Sie hier weiter!

75% and loading – warum man Plagiate nicht in Prozent messen kann

Ab wieviel Prozent ist etwas ein Plagiat? Die Fragen aller Fragen an PlagiatsprüferInnen! Kommt völlig harmlos daher, ist aber alles andere als trivial zu beantworten, ich versuche es dennoch. Gleich vorweg eine sehr wichtige Feststellung, da ich immer wieder über dieses Mißverständnis stolpere: Die Plagiatsprogramme (über deren Vorteile und Limitierungen ich schon mehrfach auch im Blog berichtet habe) zeigen nur ÄHNLICHKEITSprozente im Vergleich des geprüften Textes zu diversen anderen Quellen an! Es geht beim maschinellen Plagiatsprüfen tatsächlich um nichts anderes als wortwörtliche Ähnlichkeiten.   (Foto: “Scales of Justice – Frankfurt Version” von Michael Coghlan @ Flickr unter einer CC-Lizenz für http://www.blogtrepreneur.com/media-justice/)   „Plagiatsprozente“ sind nicht aussagekräftig Diese scheinbar präzise Maßeinheit ist tatsächlich NICHT sehr aussagekräftig oder relevant. Ob und ab wann eine Fundstelle nicht mehr verantwortbar ist, entscheiden immer nur die zuständigen BearbeiterInnen oder PlagiatsprüferInnen basierend auf ihrem Hintergrundwissen (das vor allem technischer, ethischer, wissenschaftlicher und schreiberischer Natur sein muss). Das kann leider kein Programm abnehmen, denn sie zeigen definitiv keine Plagiate an! Aus dem Nähkästchen geplaudert bedeutet das: Ich werde bei Plagiatsprüfungen nicht unbedingt bei hohen Prozentzahlen stutzig, also in den Bereichen 20 bis 40 Prozent Ähnlichkeiten. Im Gegenteil, mehr Sorgen muss man sich meiner Erfahrung nach vor allem bei 0 bis 5 Prozent Ähnlichkeit machen.   Denn, entweder passt das Plagiatsprüfprogramm aus irgendeinem Grund nicht zu den Anforderungen, man muss zusätzlich händisch weitere Quellen einspeisen (z. B. wenn es nicht elektronisch verfügbare Quellen sind oder die Quellen in dieser Sprache noch nicht für das Prüfprogramm vorliegen), die Einreichenden… Lesen Sie hier weiter!

Didaktische Stolpersteine – Warum klappt es mit dem Zitieren oft nicht? (Teil 1/2)

Der Empfang einer unabsichtlich fehlgeleiteten SMS brachte mich diese Woche zum Grübeln: kommen die Hauptaussagen wie und warum man zitieren muss trotz allerbester Absichten und größtmöglichen Bemühungen der Unterrichtenden überhaupt bei den Studierenden an? Die meisten Lehrenden kommen ohne Feedback-Bogen ohnehin gar nicht mehr aus (dazu habe ich kürzlich in einer Blog-Serie gesprochen, nachzulesen hier: Teil 1 – Feedback geben, Teil 2 – Feedback annehmen und Teil 3 – Arten von Feedback). Aus eigener Erfahrung weiß ich allerdings, dass sich viele Studierende nicht trauen Verbesserungsvorschläge darauf anzugeben. Oder meinen es lese sowieso niemand, was sie zu sagen hätten. Und wenn doch Meldungen retour kommen, ist vielleicht die Weiterleitung an die Lehrenden nicht immer in vollem Umfang gegeben oder möglich.   Hart aber herzlich, und korrekt zitiert Dabei würde es so sehr lohnen einmal genauer hinhören zu können, was Studierende wirklich wollen und brauchen und dies nach Möglichkeit auch umzusetzen! Ungeachtet der grundsätzlich auftretenden Herausforderungen bezüglich Kommunikation im Allgemeinen und diversen (z. B. zwischenmenschlichen und hierarchischen) Anforderungen der Lehre im Besonderen, analysiere ich in Teil 1 dieser zweiteiligen Blogserie (Teil 2 zur Studentensicht dieses Themas) mögliche didaktische „Stolpersteine“ auf dem Weg von Theorie und (wünschenswerter) Praxis beim Zitieren wissenschaftlicher Literatur und deren Vermittlung.   Deshalb klappt es oft nicht mit dem korrekten Zitieren 1) Lehrende nehmen an, dass Studierende durch die Matura/das Abitur ausreichend vorgebildet sind, wenn es um wissenschaftliche Texte schreiben geht. Leider hatten nicht alle SchülerInnen Österreichs meine grandiose Englischlehrerin, die uns schon mit 13 Jahren Polizeiberichte, Zeitungsartikel und… Lesen Sie hier weiter!

15 weitere Tipps für Deine Recherche (Teil 2) – Suchen, stöbern, finden

BLOGSERIE – SKILLS: RECHERCHE (Teil 2/2)   Nun wisst Ihr anhand des ersten Teils meines Blog-Beitrags zu Recherche wo man alles suchen könnte. Doch wie geht man’s nun wirklich an? Hier noch einmal 15 weitere Tipps für eine richtig gute Recherche! Natürlich macht es wenig Sinn einfach mal so in eine Bibliothek zu gehen und dort zu suchen zu beginnen. Kann man schon machen, aber mit einer 1) Suchstrategie und ein wenig Vorarbeit ist man schneller am Ziel und findet sehr viel brauchbareres Material! Ach, und die BibliothekarInnen nervt man auch nicht so! 😉   (Foto “Used Books 02” von “linmtheu” @ Flickr)   Bitte nicht vergessen: die wissenschaftliche Literatursuche zahlt sich vorallem dann besonders aus, wenn man sich auch notiert, 2) WIE man auf welchen Suchweg gekommen ist (in vielen Fächern ist das ohnehin Pflicht!). Ich meine das jetzt gar nicht einmal so sehr im Hinblick auf die Nachvollziehbarkeit von Quellen. Es ist einfach sehr wahrscheinlich, dass man mehr als nur 1, 2 Tage dafür benötigt und man merkt sich schlicht nicht so lange, welche Keyword-Kombinationen man nun schon verwendet hat … oder doch nicht. Tatsache ist, die Literatursuche ist eine DER allerwichtigsten Skills für Studierende und AkademikerInnen. Aber nicht nur an der Uni, auch in späterer Folge im Job oder Alltag: ob man nach einem Geschenk für jemanden sucht, den nächsten Urlaub, einen Straßennamen, … die Suche nach Informationen bestimmt unser Leben. Sich auszukennen wie man rasch die besten Informationen bekommt, ist essentiell.   Das bedeutet – Du… Lesen Sie hier weiter!

Wikipedia – digitales Gedächtnis und Plagiatorenschatzkiste?

Studien belegen immer wieder – es wird sehr viel im Internet recherchiert. Und anscheinend daraus auch für wissenschaftliche Arbeiten “geborgt”. Neben Open Access-Journalen steht allen Internet-Quellen voran dabei Wikipedia, die größte kollaborative Datenbank des Menschheitswissens schlechthin.   Die größten Kritikpunkte sind, dass Wikipedia zum einen nicht genau genug ist und viele Fehler darin vorkommen, sowie, dass Schüler und Studierende daraus abschreiben würden. Gestern konnte ich an einem Wikipedia-Webinar teilnehmen, das in Zusammenarbeit mit dem derzeit erfolgreichsten Hersteller von Plagiatsprüfprogrammen stattfand. Ich fasse hier die interessantesten Punkte daraus für Euch zusammen!   Die Wurzel … allen Übels? Zunächst ging es hauptsächlich um Wikipedia selbst. Einer der rund 1400 Administratoren, die im Hintergrund dafür sorgen das ‚Gedächtnis des Internets’, wie ich Wikipedia gerne nenne, am Laufen zu halten und es verbessern, erzählte von den Anfängen und den mitunter mühsamen Abläufen des Editierens und Redigierens von Wikipedia-Artikeln (er hat alleine ca. 4000 Seiten zu betreuen … uff).   Die Dimensionen von Wikipedia sind einfach un-glaub-lich! Es gibt u.a. ca. 30 Mio. Artikeln 286 Sprachversionen 20 Mio. Beitragende 2 Mrd. Editierungen   Das ganze Projekt Wikipedia wird von einer Non-Profit-Organisation getragen, umfasst mittlerweile neben dem allseits bekannten und beliebten Lexikon noch 17 weitere Projekte (wie z.B. Foto-Datenbanken und einen Tier- und Pflanzenarten-Katalog) und der Zugang ist weltweit immer gratis.   Für alle Beitragenden das wichtigstese Credo ist, ihr Hauptaugenmerk auf nich mehr Genauigkeit und Belegbarkeit der Daten zu richten! Mittlerweile ist Wikipedia schon genau so exakt wie die renommierte Encyclopedia Britannica. Tausende, wenn nicht… Lesen Sie hier weiter!