15 Tipps für Deine Recherche – Suchen, stöbern, finden (Teil 1)

BLOGSERIE – SKILLS: RECHERCHE (Teil 1/2)

 

Bei der Vorbereitung zu einem Referat, einer Seminarabeit, in ausgedehnterem Maße auch für die Bachelor-, Master- oder Diplomarbeit und natürlich auch im Berufs- und Privatleben: manchmal muss mehr Info her als man selbst zu einem bestimmten Thema momentan im Kopf hat.

 

Also suchen wir danach! Recherche los!

Doch halt – es muss nicht immer nur im Internet zu finden sein, was der Aufsatz verlangt!

Magazinraum
(Foto “Magazinraum” von “Nomen Obscurum” @ Flickr)

 

Tipps für die nächste Info-Hatz – so startet man

  • Eigene Mitschriften und Notizen: ich gebe es offen und gerne zu – ich schreibe immer schon sehr viel mit! Blöd nur, dass ich eine solche Klaue habe, dass ich manchmal selbst etwas brauche, um meine Notizen zu entziffern. 😉

Dennoch – die eigenen Notizen zu einem Thema oder einem verwandten Bereich können Gold wert sein: diese Infos hatte der damals Unterrichtende schon vorgefiltert und für so wichtig gehalten, dass sie/er sie im Unterricht erwähnt hat. Man selbst hat sie dann nochmals für wichtig genug empfunden, um sie sich sogar zu notieren. Also generell eine gute Basis für den Start Eurer Recherche. Aber Achtung – manches kann man auch falsch verstanden oder falsch mitgeschrieben haben, Kontrolle tut also meist Not.

  • Googlen: ist ja mittlerweile selbst sogar schon ein anerkanntes Wort. Die Suche im Internet in diversen Suchmaschinen (ja ja, außer Google gibt’s schon noch so ein, zwei andere 😉 ist heute das Normalste der Welt geworden, wenn man eine Info nicht bei der Hand hat. Toll, um einen groben Überblick zu bekommen.Für wissenschaftliche Recherche ist das allerdings nicht oder nur sehr bedingt brauchbar. Zwar gibt es auch schon sehr viel wissenschaftliche Fachliteratur frei zugänglich im Internet, doch für eine gründliche Recherche und korrekte Quellenangaben bedarf es dann doch “Handfesterem”.
  • Buchhandlungen: nee, den großen Online-Bücher-und-anderes-Zeugs-Verschipper empfehle ich hier sicher nicht (auch, wenn die für das Ausfindigmachen mancher fremdsprachiger Werke fast unumgänglich sind). Auch kleine lokale Buchhandlungen versenden Eure Bestellungen zackzack!!
  • Antiquariate: sehr fein, wenn Ihr historische Quellen oder bereits Vergriffenes sucht. Meist kennen sich die Damen und Herren dort super aus und helfen manchmal bei der Recherche mit.
  • Büchereien und Bibliotheken: ideal für die, die nur haben, aber nicht kaufen wollen. Gibt es fast überall, je nachdem was man benötigt, muss man sich aber vielleicht eher gleich an Fachbibliotheken wenden.

Tipp: je besser vorbereitet man hinkommt, umso lieber wird einem auch geholfen. Fragen wie „Ich suche irgendwas Brauchbares über den 20- oder 30-Jährigen Krieg, und, ich brauch den Scheiss sofort.“ wird Euch garantiert nicht das Gewünschte einbringen (aber wahrscheinlich das Verdiente ;)! Darum – seid sehr sehr lieb zu Euren BibliothekarInnen!!!

  • Fernleihe: wer sich so gar nicht von zuhause lösen mag, kann sich bundesweit viel Literatur per Fernleihe entlehnen. In den Online-Bibliothekskatalogen findet Ihr die Verfügbarkeiten aufgelistet. Achtung – bestellt bitte wirklich nur, was Ihr braucht, der Aufwand für die Bearbeitung der Fernleihe ist sehr hoch!
  • e-Books: zu kaufen bzw. zum Entlehen aus vielen Büchereien und Bibliotheken (hier meist kostenlos oder sehr günstig und in den verschiedensten Formaten). Hauptsächlich erscheinen Klassiker und neuere Werke, aber auch Fachbücher kommen schon als e-Book heraus.

old bookshelf
(Foto “old bookshelf” von “mararie” @ Flickr)

Recherche für Fortgeschrittenere

  • Andere (Speicher-)Formate checken: das Buch ist vergriffen, die Bibliothek hat seit Jahren ein Expemplar entlehnt und nicht mehr zurückbekommen. Und nun? Abgesehen von e-Books findet man vielleicht auch im CD-, DVD-, Mikro-Film oder Mikro-Fiche-Inventar das eine oder andere zum Thema passende elektronische Schätzchen. Je nach Thema könnten auch Galerien und Musiksammlungen hilfreich für Euch sein.
  • Archive: Irgendwann ist dann einfach Schluss mit der herkömmlichen Recherche, jetzt müssen die wirklich harten Kaliber aufgefahren werden. Als fleißige Blogleser wisst Ihr natürlich schon von meiner Passion für Archive.

 Ein Gang zur zum nächstgelegenen Archiv Deiner Wahl kann spannende Aspekte auftun, an die Du während Deiner Recherche zunächst nicht gedacht hättest. Außerdem sitzen dort häufig WissenschafterInnen aus dem jeweiligen Fach und können sehr viel Input bieten und wirklich kompetent weiterhelfen.

  • Literaturbestelldienste und Infobroker: damit habe ich als Studierende nur wenige Erfahrungen gemacht, die waren allerdings nicht schlecht. Mittlerweile werden ausfindig gemachte Publikationen zum Schutze der UrheberInnen nicht mehr elektronisch versandt. Wer’s also sehr schnell braucht, sollte sich vielleicht einen anderen Weg auch noch überlegen, um zu einem Paper zu kommen?
  • Auch viele Institute haben noch Handapparate stehen, kleine aber sehr sehr feine und zum Teil sogar wertvolle Sammlungen. Bitte beachtet, diese Sammlungen sind selten öffentlich zugänglich, man muss sich anmelden oder um Erlaubnis fragen, vielleicht ist Entlehnen auch nicht erlaubt sondern nur Präsenzbenutzung. Fragt unbedingt bald genug an, was der Stand der Dinge ist!
  • Anstaltsbibliotheken (z.B. von Mussen und anderen Institutionen) sind meist kleine aber sehr fein ausgewählte Spezialsammlungen. Achtung – oft ist keine  Selbstbedienung und Entlehnung erlaubt, erkundigt Euch auch hier schon im Vorfeld!
  • Wissenschaftliche Sammlungen (siehe z.B. die historisch bedeutenden naturwissenschaftlichen Kollektionen im Naturhistorisches Museum in Wien!!) beinhalten alles, was NaturwissenschafterInnen und andere ExpertInnen über Jahrhunderte auf der ganzen Welt zusammentragen, bestimmt und katalogisiert haben – Pflanzen, Tiere, Mineralien … himmlisch informativ!

 

  • Jemanden fragen, ob sie/er was zum Thema weiß. Echt! Ist zwar nur bedingt verlässlich weil oft zu subjektiv, aber super, wenn man eben gerade auch persönliche Erfahrungen oder Beispiele einbringen möchte.

Für weit Fortgeschrittene – macht doch Eure „Unwissenheit“ zu einem Thema selbst zum Thema. Wie wäre es mit einer kleinen Erhebung oder Umfrage, was wer dazu weiß. Überlegt wann und wieso etwas in Vergessenheit geraten konnte. Schön ist, wenn man gar ExpertInnen oder ZeitzeugInnen befragen oder gar interviewen kann!

  • Learing by doing: gibt es etwas zusammenzubauen, durchzuexerzieren, zu gestalten, zu ertasten oder sonst irgendwie zu erleben, über das man einen Text schreiben soll, empfiehlt sich das Ganze nach dem Zusammensammeln schnöder Theorie doch einfach einmal selbst zu machen. Völlig neue Aspekte und Zusammenhänge tun sich da auf und runden den Erfolg Eurer Recherche sehr schön ab.

 

Viel Spaß beim Stöbern und Finden!

 

 

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(Artikel von Natascha Miljković, 10. Februar 2014; letztes Update: 7. September 2014)
© aller Texte: Dr.in Natascha Miljković, Agentur Zitier-Weise, 2012-2014.
© Abbildungen: wie angegeben.

 

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About Dr. Natascha Miljkovic

Inhaberin der Firma Zitier-Weise, Agentur für Plagiatprävention. Naturwissenschafterin mit viel Auslandsforschungserfahrung, Wissenschaftsberaterin und präventive Plagiatsprüferin. Berät Bildungseinrichtungen zum Themenkreis akademische Unredlichkeit und unterrichtet, wie man diese (z. B. Plagiate) nachhaltig vermeiden kann. Auch an allen anderen Themen in, um und durch Forschung und Bildungseinrichtungen interessiert.