Die VWA als Familien-Haurruck-Aktion und Genderfalle?

Ich möchte es gerne nochmals betonen: die VWAs (Vorwissenschaftliche Arbeit, in Österreich als neue Form von Maturaarbeit eingeführt), die ich zur Plagiatsprüfung vor Abgabe zugesandt bekomme, sind durchwegs sehr gut: formell gut erstellt, man merkt, auf Zitate wurde viel Wert gelegt, Aussehen wie es sich gehört und Themen, die ich mit 16, 17 Jahren wahrscheinlich weder gewählt noch erarbeiten und beschreiben hätte können (gut, damals gab es auch noch keinen flächendeckenden Zugang zum Internet, das hätte es auch deutlich erschwert). Verwundert ein wenig, da ich von den SchülerInnen und Eltern auch die andere Seite der Medaille zu hören bekomme: Lehrende, die nicht vom Fach sind oder das Thema nicht schert und den Jugendlichen daher keine Hilfe sein können (und selten auch nicht sein wollen), komplett unzulängliche Informationen zu den Erwartungen, komplett widersprüchliche Aussagen, wie man zitieren muss/soll und manchmal auch falsche Meldungen zum Zitieren/Plagiieren, teils hartnäckige Mythen, die den Lehrenden eigentlich mittlerweile mit Schulungen schon „ausgetrieben“ sein sollten. Das soll hier keinesfalls ein „Lehrendenbashing“ werden! Ich weiß, wie es vielen von Ihnen beider Arbeit geht, dass es auch nicht immer ein Zuckerschlecken ist, viele klare Aussagen und auch konkrete Informationen fehlen usw. Heute möchte ich mich dennoch einmal auf die SchülerInnen konzentrieren. Eine Arbeit für alle mit Familiensinn So weit zumindest der Plan, doch eine VWA betrifft nicht nur die SchülerInnen! Wie einige KundInnen erzählt haben, ist mehr oder minder die ganze Familie eingespannt: ältere Geschwister, die bei der Recherche helfen, Eltern, die das Thema erörtern helfen, Cousinen und Cousins,… Lesen Sie hier weiter!

Blick auf unterschiedliche Bildungshistorien

Mittwoch vorige Woche war ich wieder einmal für “Arbeiterkind Österreich” ehrenamtlich an einer Schule zu Gast.

In Kooperation mit der Akademie der Bildenden Künste in Wien wurde für die ca. 13-, 14-Jährigen, großteils aus sogenannten “bildungsfernen Schichten”, einer Neuen Mittelschule (NMS) in Wien ein “Speed Dating” mit Wissenschaftern organisiert.

 

Ziel war die Motivation und Information zu mehr (Aus-)Bildung ansich, eventuell für ein (künstlerisches)
Studium zu interessieren.

Mir hat es sehr großen Spass gemacht zu berichten, dass man auch studieren “darf”, selbst wenn es die eigenen Eltern oder Geschwister nicht getan haben. Man sollte meinen, im 21. Jahrhundert stehe das ohnedies ausser Frage. Dem ist aber bei weiten nicht so, das zeigen auch alle Studien zu diesem Thema.

In Österreich trauen sich viel zu wenige “Bildungsferne” diesen Weg überhaupt als Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Nur magere 25% Kinder von Nichtakademikern studieren, hingegen 75% Akademikerkinder. Eine schlüssige Erklärung für dieses Phänomen fehlt.

black board of questions
(Foto “black board of questions” von “vorack” @ Flickr)

Persönliche Betroffenheit wird zur Informationsquelle

Wieviel Potential an Können und Fähigkeiten man als Gesellschaft so allerdings ungenutz brachliegen lässt oder gar sinnlos verschleudert, indem die benötigte Aufklärung nicht bis zu den betroffenen SchülerInnen und deren Eltern gelangt, macht fassungslos.

Meine Volksschullehrerin erklärte meinen Eltern vor 25 Jahren noch lapidar, dass ein Gastarbeiterkind nicht in ein Gymnasium gehen “muss”, die Hauptschule reiche allemal aus. Schliesslich hätten sie das ja auch selbst nicht absolviert, da ist es doch viel zu kompliziert für klein Natascha.

Sie hat es bestimmt nicht böse gemeint, sie war immer eine nette Lehrerin, es passte eventuell einfach nicht in ihr Bild von einer korrekten österreichischen Gesellschaftsstruktur.

Seither, seit fast einer gesamten Generation, hat sich in den Köpfen Vieler noch zu wenig getan! Dem will ich aktiv entgegentreten und die Betroffenen aufklären helfen, denn – man kann und darf alles wagen!

 

Seither interessiere ich mich für die unglaublich variablen persönlichen Bildungshistorien!

Studiosus werden muss nicht sein, eine gute Ausbildung schon

Dabei ist es ja völlig egal, ob man studiert oder nicht! Ich meine – Hauptsache eine gute Ausbildung machen, nicht beim Pflichtschulabschluss aufhören!

Ich habe es gewagt, denn ich hatte meine Eltern, die mich immer unterstützt haben. Dennoch war es schwer, weil ich niemanden fragen konnte, was studieren gehen bedeutet, was man besser machen und besser lassen sollte, um bessere Noten zu bekommen, schneller zu studieren usw. Funktioniert hat es trotzdem, sehr gut sogar!

Mein Wissen geben ich und zahlreiche andere ehemals Betroffene in der Initiative “Arbeiterkind Österreich” gerne an Interessiere ehrenamtlich und völlig kostenfrei weiter (nähere Informationen direkt über die Kontaktmöglichkeiten auf der Website)!

 

Den Plagiatpräventions-Blog der Zitier-Weise als E-Mail lesen

Mit einem Feed-Reader abonnieren

follow us in feedly

 

(Bericht vom 13. November 2013)