Schämen soll er sich! – Machen shamelists Sinn?

Wie kürzlich bekannt geworden ist, ist der süd-koreanische Klonforscher Hwang Woo-suk wieder bzw. noch immer fleißig am forschen und publizieren.   (Foto “Facepalm” von Brandon Grasley @ Flickr)   Alte Bekannte agieren wieder Den kennen Sie nicht? Ich denke schon! Bekannt wurde er vor allem durch seine vor nunmehr 10 Jahren aufgedeckten Betrügereien im Rahmen seiner Forschungstätigkeiten. Der Fall wurde sehr lange und weltweit besprochen. Interessant, dass er nun wieder publizieren kann, und wie es scheint auch recht erfolgreich an seine ehemalige Karriere anknüpft.   Dieser Fall zeigt einige interessante Aspekte von akademischer Unredlichkeit auf: 1) Die Publisher (im Fall von Hwang damals “Nature” und “Science”) mussten sich auch massive Kritik am Peer-Review-System gefallen lassen. Von Verblendung bei großen Namen oder Shooting Stars der Forschung war letztens bei einem aktuellen Betrugsfall wieder die Rede. Seit Hwangs Skandal haben sich die Strukturen der Kontrolle und das Peer-Reviewing sicherlich verbessert, nicht zuletzt wegen eben diesen Fällen. Optimal sind die Abläufe jedoch noch lange nicht.   2) Shamelists, quasi ein digitaler Pranger, wie sie manche bei schweren und/oder wiederholter akademischer Unredlichkeit vorgeschlagen haben (besonders von der amerikanischen scientific community), halte ich gerade vom Aspekt der Rehabilitation aus gesehen für sehr problematisch. Wer stellt wen wann auf eine Liste, ist nachvollziehbar wie die Schwere des akademischen Betrugs war, wie lange bleibt man dann auf der Liste und wie kann man wieder rehabilitiert werden? Überspitzt formuliert – wenn man zwei, drei Absätze plagiiert hat, wiegt das mehr oder weniger schwer, als ein Foto ohne Copyright… Lesen Sie hier weiter!

Blick auf unterschiedliche Bildungshistorien

Mittwoch vorige Woche war ich wieder einmal für “Arbeiterkind Österreich” ehrenamtlich an einer Schule zu Gast.

In Kooperation mit der Akademie der Bildenden Künste in Wien wurde für die ca. 13-, 14-Jährigen, großteils aus sogenannten “bildungsfernen Schichten”, einer Neuen Mittelschule (NMS) in Wien ein “Speed Dating” mit Wissenschaftern organisiert.

 

Ziel war die Motivation und Information zu mehr (Aus-)Bildung ansich, eventuell für ein (künstlerisches)
Studium zu interessieren.

Mir hat es sehr großen Spass gemacht zu berichten, dass man auch studieren “darf”, selbst wenn es die eigenen Eltern oder Geschwister nicht getan haben. Man sollte meinen, im 21. Jahrhundert stehe das ohnedies ausser Frage. Dem ist aber bei weiten nicht so, das zeigen auch alle Studien zu diesem Thema.

In Österreich trauen sich viel zu wenige “Bildungsferne” diesen Weg überhaupt als Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Nur magere 25% Kinder von Nichtakademikern studieren, hingegen 75% Akademikerkinder. Eine schlüssige Erklärung für dieses Phänomen fehlt.

black board of questions
(Foto “black board of questions” von “vorack” @ Flickr)

Persönliche Betroffenheit wird zur Informationsquelle

Wieviel Potential an Können und Fähigkeiten man als Gesellschaft so allerdings ungenutz brachliegen lässt oder gar sinnlos verschleudert, indem die benötigte Aufklärung nicht bis zu den betroffenen SchülerInnen und deren Eltern gelangt, macht fassungslos.

Meine Volksschullehrerin erklärte meinen Eltern vor 25 Jahren noch lapidar, dass ein Gastarbeiterkind nicht in ein Gymnasium gehen “muss”, die Hauptschule reiche allemal aus. Schliesslich hätten sie das ja auch selbst nicht absolviert, da ist es doch viel zu kompliziert für klein Natascha.

Sie hat es bestimmt nicht böse gemeint, sie war immer eine nette Lehrerin, es passte eventuell einfach nicht in ihr Bild von einer korrekten österreichischen Gesellschaftsstruktur.

Seither, seit fast einer gesamten Generation, hat sich in den Köpfen Vieler noch zu wenig getan! Dem will ich aktiv entgegentreten und die Betroffenen aufklären helfen, denn – man kann und darf alles wagen!

 

Seither interessiere ich mich für die unglaublich variablen persönlichen Bildungshistorien!

Studiosus werden muss nicht sein, eine gute Ausbildung schon

Dabei ist es ja völlig egal, ob man studiert oder nicht! Ich meine – Hauptsache eine gute Ausbildung machen, nicht beim Pflichtschulabschluss aufhören!

Ich habe es gewagt, denn ich hatte meine Eltern, die mich immer unterstützt haben. Dennoch war es schwer, weil ich niemanden fragen konnte, was studieren gehen bedeutet, was man besser machen und besser lassen sollte, um bessere Noten zu bekommen, schneller zu studieren usw. Funktioniert hat es trotzdem, sehr gut sogar!

Mein Wissen geben ich und zahlreiche andere ehemals Betroffene in der Initiative “Arbeiterkind Österreich” gerne an Interessiere ehrenamtlich und völlig kostenfrei weiter (nähere Informationen direkt über die Kontaktmöglichkeiten auf der Website)!

 

Den Plagiatpräventions-Blog der Zitier-Weise als E-Mail lesen

Mit einem Feed-Reader abonnieren

follow us in feedly

 

(Bericht vom 13. November 2013)

Angst vor der Plagiatsprüfung durch Verbreiten von Medienberichten schüren?

Plagiatberichte verbreiten oder nicht beachten?!

Soll man Berichte über Plagiat- und ähnliche Skandale und die (angebliche?) Verunsicherung der Studierenden denn überhaupt in den Social Media-Kanälen teilen? Könnte sein, dass man dadurch dazu beiträgt, künstlich noch mehr Angst zu diesem Thema aufzubauen?   Ein auf meiner Facebook-Fanpage gepostetes Kommentar hat mich neulich auf diese Frage gebracht. Ich möchte sie hier gerne näher beleuchten und einige, mir wichtige Aspekte dazu anführen.   Angsthasen aufgepasst! Meine Motivation warum ich Plagiat-Links doch teile Schon seit einigen Jahren beschäftige ich mich hauptberuflich intensiv mit diesen Themen (wissenschaftliche Redlichkeit, Plagiate, Präventionsmaßnahmen), ihren Entstehungsgeschichten und Hintergründen.   Ich bin KEINE „Plagiatsjägerin“ und arbeite NICHT in und für Plagiat-Foren, weder namentlich noch anonym!   Ich bin der Meinung, dass  (auch, wenn es durchaus auch nicht so günstige Entwicklungen auf diesem Gebiet gibt, z.B. Rufmord durch als akademisches whistle blowing getarntes „Vernadern“, wie ich nicht müde werde zu betonen) es entscheidend für das Vorankommen Einzelner und der Hochschulen insgesamt ist, wenn man über diese Dinge offen spricht und sie diskutieren darf.   Ja, manche Einzelne haben vielleicht nun ein wenig Angst vor der Plagiatsprüfung, weil sie (noch) nicht genug darüber informiert wurden; andere mögen die Wichtigkeit des Themas wissenschaftliche Redlichkeit verleugnen. Doch die große Mehrheit ist interessiert mehr darüber zu erfahren!   Besonders auf Facebook sammle ich daher informative, manchmal auch ironisch gemeinte, Links, auf die ich während meiner Arbeit stoße. Es steht natürlich jedem frei diese zu lesen und gerne auch zu kommentieren. Oder eben nicht! Ich sehe das als Service an meinen… Lesen Sie hier weiter!

Plagiarismus ist …

Definitionen zu Plagiarismus gibt es wie Sand am Meer. Eine häufige Frage ist:

 

Warum nimmt man nicht eine einzige,

gängige Definition für alle an?

 

Praktisch wäre das natürlich schon, nur – das wird nicht gut funktionieren, denn diese allgemeine Definition wäre dann wieder zu pauschal.

 

Say what you want

Ich habe ein paar Definitionen davon, was Plagiarismus ist oder sein kann, zusammen getragen. Zum Teil sind sehr typische, aber auch so manche erstaunliche Begriffserklärungen dabei.

Vollständig ist diese Liste natürlich keinesfalls, ich freue mich über Ihre Fundstücke dazu!

 

 

  • “der Versuch einer bewussten Täuschung oder zumindest unsauberes wissenschaftliches Arbeiten” (www.ub.uni-mainz.de/7989.php).

 

  • Kopieren, Einfügen, Formatieren” (www.karrieremagazin.net/ausgabe-22009/netz-plagiarismus.html).

 Wortwolke Plagiarismus(Abbildung “Wortwolke Plagiarismus” von N. Miljkovic mit “Wordle”)

  • “Nutzung fremder wissenschaftlicher Arbeiten, veröffentlicht oder nicht, ohne dies kenntlich zu machen”.
  • “kein Kavaliersdelikt”
  • “das schwerwiegendste Delikt in der Wissenschaftswelt” (What is Plagiarism?).

 

  • wissentlich und unter Mißachtung wissenschaftlicher Ethik und des Urheberrechts geistiges Eigentum fremder Personen als eigenes Werk zu bezeichnen
  • fremde Arbeiten als seine eigenen auszugeben
  • fremde Textpassagen oder Ideen zu kopieren ohne die eigentliche Quelle anzugeben
  • fremde wörtliche Rede nicht deutlich kenntlich zu machen und zuzuordnen
  • fehlerhafte Quellenangaben zu machen
  • der Austausch zwar einzelner Worte und Formulierungen, aber das Beibehalten der Satzstruktur eines Fremdtextes ohne Quellenangabe
  • de Übernahme so vieler Worte und Ideen aus einem Fremdwerk, dass diese den Großteil des so erstellten Werkes ausmachen
  • das bewusste Verfügbarmachen von eigenem Material für eine Plagiierung durch andere” (https://www.informatik.tu-darmstadt.de/de/sonstiges/plagiarismus/).

 

  • “nicht strafbar?” (www.focus.de/politik/deutschland/ist-plagiarismus-nicht-strafbar-koalitionzwist-kommentar_2956029.html).

 

  • “die Aneignung von Gedanken, Niederschriften, Erfindungen oder Entdeckungen einer anderen Person verbunden mit der (ggf. impliziten) Behauptung, dass es sich um eigene handelt
  • ein kontroverses Thema, vor allem wenn im Bereich der Ausbildung Übungs- und Prüfungsaufgaben gestellt und bearbeitet werden” (https://www2.cs.fau.de/teaching/plagiarismus.html).
  • “ein ernstes und anhaltendes Problem” (www.angelaloose.com/world-wide-weird/copyspace-website-plagiarismus-suche/).

 

  • “an den Schulen noch gründlicher zu thematisieren und im Bedarfsfall gnadenlos zu sanktionieren” (www.lehrerzimmer.org/index.php?option=com_content&view=article&id=413:der-stolze-schwan-des-plagiarismus&catid=1:aktuelle-nachrichten&Itemid=50).

 

  • “jemand benötigt eine geistige Arbeit (eine Musik, ein Konzept etc.), will sich die Mühe ersparen, dies selbst zu erarbeiten oder eine andere Person entgeltlich damit zu beauftragen und findet „irgendwo“ eine brauchbare Arbeit” (http://kulturrisse.at/ausgaben/012007/oppositionen/von-seelenverkaeufern-und-sklavenhaendlern.-ideenklau-und-plagiarismus).

 

  • “die vorsätzliche Aneignung fremden geistigen Eigentums, mit dem Ziel die übernommenen Ideen als seine eigenen auszugeben – zur Gänze (z.B. nur AutorInnennamen einer Arbeit austauschen) oder nur zum Teil (z.B. Textpassagen in den eigenen Text einbauen)”(www.meduniwien.ac.at/studienabteilung/content/studium-lehre/studierendenberatung/plagiatpruefung-an-der-meduni-wien/was-ist-ein-plagiat/).

 

 

 

  • “juristisch als Ordnungswidrigkeit eingestuft” (http://waz.m.derwesten.de/dw/incoming/plagiarismus-kommt-an-der-uni-duisburg-essen-haeufig-vor-id4312734.html?service=mobile).

 

  • “nicht erst ein Problem der Internet-Ära” (www.online-artikel.de/article/lehrer-entwickeln-strategien-gegen-plagiarismus-2015-1.html).

 

 

Den Plagiatpräventions-Blog der Zitier-Weise als E-Mail lesen

Mit einem Feed-Reader abonnieren

follow us in feedly

 

(Bericht vom 24. Februar 2013; letztes Update: 26. März 2014)

Bücherwurm und Kellerassel – Recherche in Archiven

Bücherwurm und Kellerassel – Recherche in Archiven

Es muss in die 1000e gehen – Stunden, die ich mit Recherche in Archiven verbracht habe! Hauptsächlich in den USA, Japan und z.T. auch in Wien. Als Teil meiner Studien aus dem Fachgebiet Zoologie war ich Bücherwurm und immer frierende Kellerassel, durchsuchte ich staubige Bücherregale und muffige Kellerarchive nach Schätzen.   So sah es aus, mein Studierenden-Leben! Und es war großartig! Schatz gehoben, Wissen gemehrt Genau, das ist es nämlich, was man in Bibliotheken und Archiven finden kann – Wissensschätze! Die Aufregung etwas Bedeutendem, Neuen bzw. lange Verschollenem auf der Spur zu sein, hat für die oftmals wahrlich schlechten Arbeitsbedingungen entschädigt. Issac Newton machte den Spruch, der ursprünglich von Bernard von Chartres aus dem 12. Jhdt. stammen soll, berühmt: “If I have seen further it is by standing on the shoulders of giants.” Unsere Arbeit als WissenschafterIn ist tatsächlich niemals gänzlich frei von Ideen anderer! (Foto “TREASURE” von Jenni Douglas/photojenni @ Flickr)   Leider wird von Studierenden der Sinn von Literaturarbeit und Zitation nicht immer verstanden. Es ist nicht bloß reine Formsache! Es ist tatsächlich wichtiger Bestandteil von Wissenschaft an sich anzugeben, woher man Informationen hat: Durch den Verweis auf verwendete Quellen bietet man so einen “Nährboden” für die eigene Forschungsarbeit und wertet diese auf! Bis zu einem gewissen Grad ist die Nennung der Urhebern vor uns auch, um ihnen zu danken, dafür was sie geschaffen und erschaffen haben. Es ist ein schlichtes aber effektives Zeichen von Respekt und guten Manieren den ehemaligen KollegInnen im Wissensgebiet gegenüber! Und das kann… Lesen Sie hier weiter!